Women in AI: Wie Frauen ohne Informatik-Studium die deutsche KI-Branche prägen
41 Prozent der deutschen Unternehmen setzen 2026 bereits aktiv KI ein – doppelt so viele wie im Jahr zuvor (Bitkom KI-Studie 2026). Gleichzeitig nennen 53 Prozent der Unternehmen fehlende Kompetenzen bei den Mitarbeitenden als größte Hürde. Genau in dieser Lücke liegt eine Chance – vor allem für Frauen, die noch zögern, weil sie glauben, ohne Informatik-Studium nicht “KI-tauglich” zu sein. Ein Blick auf die Frauen, die die deutsche KI-Debatte gerade prägen, zeigt: Die wenigsten von ihnen sind auf diesem Weg gestartet. Ich bin selbst eine von ihnen.
Wer die KI-Debatte in Deutschland gerade prägt
Auf LinkedIn hat sich in den letzten Jahren eine sichtbare Szene von Frauen gebildet, die die deutsche KI- und Tech-Debatte mitgestalten – als Gründerinnen, Investorinnen, Beraterinnen und Speakerinnen. Das Magazin DUP UNTERNEHMERIN hat dazu im April 2026 die Liste “Top 50 Frauen der KI & Wirtschaft” veröffentlicht, kuratiert von einer Jury aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft (u. a. Dr. Irène Kilubi, Prof. Dr. Jochen A. Werner) – ein Beleg dafür, dass das Thema “Women in AI” in Deutschland inzwischen eigene Bühnen bekommt, nicht nur ein Nebensatz auf internationalen Panels ist.
Diese Stimmen lohnt es sich, auf LinkedIn zu verfolgen
Ein paar Namen, die 2026 immer wieder auftauchen, wenn es um Frauen und KI in der deutschen Wirtschaft geht:
Kenza Ait Si Abbou – Gründerin von Scailers, einer KI-Beratung, und eine der bekanntesten deutschen Stimmen zu KI und Gesellschaft. Ihr Weg ist selbst ein Beleg für den Quereinstieg: Sie hat Ingenieurwissenschaften studiert und sich erst über Jahre im Tech-Management zur KI-Expertin, Bestsellerautorin und gefragten Beirätin entwickelt – nicht über ein klassisches Informatik- oder KI-Studium.
Jeannette zu Fürstenberg – Managing Director & President Europe bei General Catalyst, eine der sichtbarsten Stimmen zu europäischer KI-Souveränität und Venture Capital.
Leonie Althaus – Co-Founder & CEO von Traide AI, das KI für Zollabwicklung und Supply-Chain-Compliance einsetzt.
Stephanie Richter – Co-Founder & CEO von Adspert, KI-gestützte Werbeautomatisierung im E-Commerce.
Jenny Podewils – Co-Founder & Co-CEO von Leapsome, HR-Tech mit Fokus auf verantwortungsvolle KI-Nutzung im Arbeitsalltag.
Was auffällt, wenn man sich die Werdegänge dieser Frauen genauer ansieht: Kaum eine von ihnen kommt über ein reines Informatik- oder KI-Studium in die Branche. Die meisten haben Erfahrung aus Wirtschaft, Ingenieurwesen, HR oder Marketing mitgebracht – und sich das KI-Wissen später angeeignet. Das ist kein Zufall, sondern genau das Muster, das auch die Forschung inzwischen bestätigt.
Die Realität hinter den LinkedIn-Profilen: Warum Frauen in der KI-Branche fehlen – und gebraucht werden
So sichtbar einzelne Frauen auf LinkedIn sind – in der Breite bleiben Frauen in der KI-Entwicklung deutlich unterrepräsentiert. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hat das in einer Studie mit über 200 Befragten und qualitativen Interviews in 13 Unternehmen untersucht: Frauen stellen fast die Hälfte der Bevölkerung, sind aber sowohl in KI-Trainingsdaten als auch in den Teams, die KI-Systeme entwickeln, deutlich unterrepräsentiert. Die Folge: KI-Systeme, die mit unausgewogenen Daten trainiert und von wenig diversen Teams gebaut werden, reproduzieren genau die Verzerrungen, die sie eigentlich korrigieren sollten.
Warum ausgerechnet Quereinsteigerinnen gebraucht werden
Die Fraunhofer-IAO-Studie kommt zu einem Ergebnis, das ich für den wichtigsten Punkt in der ganzen Debatte halte: Es braucht nicht nur mehr Informatikerinnen in der KI – es braucht vor allem mehr Frauen aus Geisteswissenschaften, Wirtschaft und Soziologie in den Teams, die KI gestalten. Genau diese Perspektiven helfen dabei, Verzerrungen in Datensätzen früh zu erkennen und Systeme fairer zu machen. Die Studie identifiziert dafür konkrete neue Rollen, für die kein Informatik-Studium nötig ist:
Data Scientists mit starkem Verständnis für Daten und kritischem Denken (nicht zwingend mit klassischem Informatik-Hintergrund)
Governance-Expertinnen, die faire und rechtskonforme KI-Richtlinien entwickeln
KI-Interaktionsspezialistinnen, die Prompt Engineering und die Mensch-KI-Schnittstelle optimieren
Kenza Ait Si Abbou bringt die Kernaussage dieser Debatte in ihren öffentlichen Auftritten regelmäßig auf den Punkt: Nicht die KI selbst diskriminiert Frauen – es ist die Gesellschaft, die verzerrte Daten und mangelnde Gleichstellung in die Systeme trägt. Bessere Bildung und echte Gleichstellung sind für sie der Hebel, um das zu ändern (iamkenza.de, 2026). Genau da setzt Empowerment an – nicht bei der Frage, ob du programmieren kannst, sondern ob du verstehst, wie die Systeme funktionieren und wo sie hinterfragt werden müssen.
Der Quereinstieg in die KI-Branche: 5 konkrete Schritte
Die gute Nachricht: Der Arbeitsmarkt für Quereinsteiger:innen ist in Deutschland so offen wie selten. Rund 200.000 offene Stellen für Quereinsteiger:innen sind aktuell auf deutschen Jobportalen gelistet, 88 Prozent der Personalverantwortlichen ziehen Quereinsteiger:innen aktiv in Betracht, und 49 Prozent legen bei der Besetzung längst nicht mehr ausschließlich Wert auf formale Qualifikationen (quereinsteigen.de, 2026). Für die KI-Branche kommt hinzu: Der Fachkräftemangel ist so groß, dass Vorerfahrung aus Marketing, Finance oder Projektmanagement bei vielen Unternehmen mehr zählt als ein fehlendes Informatik-Diplom.
Was das konkret bedeutet:
Ordne deine Erfahrung neu ein. Deine bisherige Berufserfahrung – egal ob Marketing, Vertrieb, HR oder Selbstständigkeit – ist keine Lücke, die du füllen musst, sondern die Grundlage, auf der du aufbaust. Unternehmen suchen Menschen, die KI-Projekte zwischen Technik und Business übersetzen können, keine zweite Informatikerin im Team.
Wähle einen realistischen Einstiegspunkt. Rollen wie AI Trainer/Quality Rater (ca. 30.000–55.000 € Jahresgehalt, Fokus auf Datenaufbereitung und -bewertung für KI-Modelle), Prompt Engineer (ca. 50.000–90.000 €, Kreativität und Sprachgefühl statt Programmierkenntnisse) oder KI-Projektmanagerin (ca. 60.000–90.000 €, Projektmanagement-Erfahrung zählt mehr als Coding) sind laut aktuellen Stellenmarkt-Analysen 2026 explizit für Quereinsteiger:innen ausgeschrieben (stellenmarkt.de, 2026).
Bau dir eine Grundlage auf – gezielt, nicht flächendeckend. Du musst nicht “die KI” verstehen. Du musst verstehen, wie die Tools funktionieren, die in deinem Bereich relevant sind. Ein fokussierter Kurs oder ein strukturiertes Selbststudium reicht oft aus, um im Bewerbungsgespräch mitreden zu können.
Nutze Förderung, die es bereits gibt. Viele KI-Weiterbildungen sind über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit bis zu 100 % finanzierbar – eine Hürde weniger auf dem Weg.
Mach dir mit einem einzigen Prompt eine ehrliche Bestandsaufnahme. Kopiere dir diesen Prompt in ChatGPT, Claude oder ein KI-Tool deiner Wahl:
„Ich komme aus [dein bisheriger Berufsbereich] und möchte in die KI-Branche wechseln. Meine Stärken sind [3 Stärken nennen]. Erstelle mir eine Liste von 5 KI-nahen Rollen, für die meine bisherige Erfahrung ein echter Vorteil ist – keine Rollen, für die ich erst ein Informatik-Studium bräuchte. Erkläre bei jeder Rolle kurz, warum mein Hintergrund passt.“
Genau mit solchen konkreten, alltagstauglichen Prompts arbeiten wir im AI Empowered Women Programm – nicht mit Theorie, sondern mit Übungen, die du sofort auf deine eigene Situation anwenden kannst.
Warum ich core&beyond und das AI Empowered Women Programm gegründet habe
Ich war nie jemand, der in einer Spur bleibt – und ich habe aufgehört, mich dafür zu entschuldigen. Vor über 15 Jahren habe ich in der Beauty-Branche angefangen und am Ende als Managing Director GLOSSYBOX DACH (THG) geführt: ein 34-köpfiges Team, davon 32 Frauen, ein P&L von über 18 Millionen Euro. Genau dort habe ich gelernt, was echtes operatives Wachstum bedeutet. Von dort ging es in die Tech-Welt, als Head of Growth bei der Podcast-Plattform Podimo – Beauty-Regale gegen Audio-Streams getauscht, aber mit demselben Gespür dafür, was ein Geschäft wirklich wachsen lässt.
Irgendwann wurde aus der Operatorin eine Investorin und Beirätin. Ich sitze im Beirat der Haus Schaeben GmbH & Co. KG, habe in Podimo und in Jack’s Beauty GmbH investiert und begleite Gründer:innen unter anderem über Startup Weekend – weil ich weiß, wie viel es hilft, jemanden an seiner Seite zu haben, der das, was man gerade aufbaut, selbst schon gebaut hat.
Mit dem Umzug an die Algarve kam ein neues Kapitel: Coneli, meine nachhaltige Modemarke – weil die Sorge um den Planeten für mich keine andere Werthaltung ist als die Sorge um Menschen und Business, sondern nur ein anderer Ausdruck derselben Werte. Und core&beyond, wo ich Frauen dabei begleite, KI für sich zu entdecken und ihren eigenen, unangepassten Weg zu gehen.
Der Punkt, den ich damit machen will: Ich habe kein einziges Semester Informatik studiert. Ich bin selbst Quereinsteigerin – aus Beauty in Tech, aus Tech ins Investieren, und jetzt in die KI. Genau deshalb habe ich core&beyond und das AI Empowered Women Programm gegründet: nicht, weil ich die technischste Person im Raum bin, sondern weil ich aus erster Hand weiß, wie es sich anfühlt, ein neues Feld zu betreten, ohne den “richtigen” Abschluss dafür zu haben – und wie viel möglich ist, wenn man sich davon nicht aufhalten lässt. Wenn Frauen wie Kenza Ait Si Abbou zeigen, dass man als Ingenieurin zur gefragtesten KI-Stimme Deutschlands werden kann, dann zeigt mein eigener Weg: Es geht auch aus der Beauty-Branche über Growth und Investing in die KI. Der gemeinsame Nenner ist nicht der Abschluss – es ist der Mut, anzufangen.
FAQ: Häufig gestellte Fragen
Brauche ich ein Informatik-Studium, um in der KI-Branche zu arbeiten?
Nein. Wie die Fraunhofer-IAO-Studie zeigt, braucht die Branche gerade gezielt Menschen mit Erfahrung aus Geisteswissenschaften, Wirtschaft und Soziologie – für Rollen wie Data Governance, KI-Interaktionsdesign oder Prompt Engineering. Auch viele der sichtbarsten deutschen “Women in AI”-Stimmen, etwa Kenza Ait Si Abbou, kommen nicht aus der klassischen Informatik.
Welche KI-Jobs eignen sich besonders für Quereinsteigerinnen?
Besonders zugänglich sind laut aktuellen Stellenmarkt-Analysen 2026: AI Trainer/Quality Rater (Datenaufbereitung und -bewertung), Prompt Engineer (Sprachgefühl und Kreativität statt Coding) und KI-Projektmanagerin (Projektmanagement-Erfahrung zählt mehr als technisches Know-how). Auch Governance- und Compliance-Rollen rund um den EU AI Act sind ein guter Einstieg für Frauen mit Erfahrung aus Recht, HR oder Wirtschaft.
Wem sollte ich auf LinkedIn folgen, um mehr über Frauen in der deutschen KI-Branche zu erfahren?
Ein guter Startpunkt sind Kenza Ait Si Abbou (Scailers), Jeannette zu Fürstenberg (General Catalyst), Leonie Althaus (Traide AI), Stephanie Richter (Adspert) und Jenny Podewils (Leapsome) – alle regelmäßig zu KI, Führung und Diversität aktiv. Auch die jährliche Liste “Top 50 Frauen der KI & Wirtschaft” von DUP UNTERNEHMERIN ist eine gute Übersicht.
Wie viel verdient man in KI-nahen Berufen als Quereinsteigerin?
Die Spannbreite ist groß: AI Trainer/Quality Rater liegen bei etwa 30.000–55.000 € Jahresgehalt, Prompt Engineer bei 50.000–90.000 €, KI-Projektmanagerin bei 60.000–90.000 € (stellenmarkt.de, 2026). Wie bei jedem Berufsfeld hängt es stark von Branche, Unternehmensgröße und Verhandlungsgeschick ab.
Was macht das AI Empowered Women Programm bei core&beyond anders?
Es setzt genau da an, wo die Forschung ansetzt: nicht bei technischem Vorwissen, sondern bei konkreter Anwendung. Statt dich zur Informatikerin auszubilden, zeigen wir dir, wie du KI-Tools in deinem bestehenden Berufsfeld sofort nutzt – mit Prompts, Übungen und einer Community aus Frauen, die alle an einem ähnlichen Punkt starten.
Fazit
„Ich war nie jemand, der in einer Spur bleibt – und ich habe aufgehört, mich dafür zu entschuldigen.“ – Conny Bolsch
Die Frauen, die die deutsche KI-Debatte gerade prägen, beweisen jeden Tag, dass es keinen einen richtigen Weg in die Branche gibt. Was zählt, ist nicht der Abschluss, den du mitbringst, sondern die Bereitschaft, dich einem neuen Feld zu stellen – mit dem, was du schon kannst. Wenn du wissen willst, wie das für dich konkret aussehen kann, ist das AI Empowered Women Programm oder unser kostenloser AI Starter Guide ein guter erster Schritt – genau wie die 100 Power Prompts, wenn du direkt loslegen willst.
Quellen
Bitkom, KI-Studie 2026: bitkom.org
Fraunhofer IAO, Pressemitteilung “Mehr Diversität bei der Gestaltung von KI” (2024): iao.fraunhofer.de
DUP UNTERNEHMERIN, “Top 50 Frauen der KI & Wirtschaft 2026” (April 2026): bigbangfestival.de
heywill.ai, “9 German Women Executives Crushing It on LinkedIn in 2026”: heywill.ai
iamkenza.de, Biografie und Positionierung Kenza Ait Si Abbou (2026): iamkenza.de
quereinsteigen.de, “Quereinsteiger Statistiken – Zahlen und Studien (2026)”: quereinsteigen.de
stellenmarkt.de, “Die besten KI-Jobs für Quereinsteiger – mit Tipps und Gehalt” (2026): stellenmarkt.de
Zuletzt aktualisiert: 21. September 2026