Von Conny Bolsch, Ex-Managing Director GLOSSYBOX, Founder von Coneli & core&beyond · Stand: 4. November 2026
KI und Nachhaltigkeit beschreibt die Frage, wie viel Energie, Wasser und CO2 der Betrieb von KI-Modellen kostet und wie du das als Nutzerin beeinflussen kannst. Kurz gesagt: Eine einzelne Textanfrage braucht nach Herstellerangaben etwa 0,24 bis 0,34 Wattstunden, bei Reasoning, Agenten, Bildern und Videos deutlich mehr. Das größere Thema ist die Summe: Laut IEA verbrauchten Rechenzentren 2025 rund 485 TWh Strom und könnten bis 2030 auf etwa 950 TWh steigen. Dieser Artikel ordnet die Zahlen ein und zeigt, was du konkret tun kannst. Transparenzhinweis: Ich arbeite viel mit Claude von Anthropic und kennzeichne, wo das relevant ist.
Wie viel Strom verbraucht eine KI-Anfrage?
Google beziffert eine mittlere Textanfrage an Gemini auf 0,24 Wattstunden, OpenAI nennt für eine durchschnittliche ChatGPT-Anfrage 0,34 Wattstunden. Das entspricht etwa einer Sekunde Mikrowelle (Quelle: Our World in Data, 20. Juli 2026). Je nach Aufgabe ändert sich das stark: Sehr lange Eingaben liegen bei rund 2,5 Wh, Anfragen mit Reasoning laut IEA-Schätzung bei etwa 50 Wh. Eine MIT-Technology-Review-Analyse offener Modelle kam auf rund 3,4 Millionen Joule für ein fünfsekündiges Video, das sind etwa 940 Wh (Mai 2025). Zum Vergleich: Eine Minute elektrisch duschen kann bis zu 160 Wh brauchen. Wichtig: Es sind Größenordnungen aus unterschiedlichen Methoden, keine exakten Messwerte.
Wie viel Energie verbrauchen Rechenzentren insgesamt?
Die IEA schätzt den Stromverbrauch von Rechenzentren 2025 auf 485 TWh, etwa 1,5 % des weltweiten Bedarfs. Bis 2030 sind etwa 950 TWh (rund 3 %) im Basisszenario möglich, die Emissionen könnten sich bis 2035 verdoppeln. KI-Rechenzentren wuchsen 2025 um rund 50 %. Lokal ist die Last sehr ungleich: In Irland sind es über 20 % des Stroms (Quellen: IEA; Our World in Data). Entscheidend ist deshalb nicht nur die Menge, sondern wo und wie der Strom erzeugt wird.
Welche KI-Anbieter sind nachhaltiger?
Es gibt keinen klaren Gewinner. Die Anbieter veröffentlichen unterschiedliche Zahlen mit unterschiedlichen Methoden, und Forschende von Hugging Face weisen darauf hin, dass Pro-Anfrage-Werte das Wachstum der Gesamtemissionen verdecken können (Quelle: Hugging Face, 17. September 2025). Was Anbieter nach eigenen Angaben berichten:
Microsoft (Bericht 2026): Emissionen +25 % in einem Jahr auf rund 20 Mio. Tonnen CO2e, getrieben vom Bau von Rechenzentren. Der Konzern gibt an, 2025 seinen gesamten Stromverbrauch mit erneuerbarer Energie gedeckt und erstmals mehr Wasser zurückgeführt als entnommen zu haben (Quelle: The Register, 10. Juli 2026).
Google (Bericht 2026): über 12 GW neue saubere Energie 2025 vertraglich gesichert, rund 7,7 Mrd. Gallonen Wasser zurückgeführt, etwa 78 % des Frischwasserverbrauchs. Für Gemini nennt Google 0,24 Wh pro mittlerer Textanfrage.
Anthropic: hat im Februar 2026 zugesagt, 100 % der Netzausbaukosten für selbst mit Partnern entwickelte Rechenzentren zu tragen und von diesen verursachte Strompreiserhöhungen für Verbraucher auszugleichen. Zahlen pro Anfrage veröffentlicht das Unternehmen nach aktuellem Stand nicht, für gemietete Kapazitäten ist die Zusage weicher formuliert. Hinweis: Die Autorin dieses Artikels nutzt Claude.
OpenAI: nennt 0,34 Wh und einen Wasserwert pro durchschnittlicher Anfrage, aber keine CO2-Zahl.
Mistral: veröffentlichte eine Lebenszyklus-Zahl von 1,14 g CO2e und 45 ml Wasser für eine 400-Token-Antwort, ohne Energiewert pro Anfrage.
Jede dieser Angaben stammt von den Unternehmen selbst. Andere Anbieter wie Meta oder xAI habe ich hier nicht geprüft.
Was kann ich selbst für eine nachhaltigere KI-Nutzung tun?
Kleines Modell als Standard: Für Zusammenfassen, Umformulieren und Sortieren reicht oft eine kleine, schnelle Stufe.
Reasoning, Deep Research und Agenten bewusst einschalten: Sie arbeiten in vielen Schritten und brauchen deutlich mehr Energie.
Einmal gut fragen: Ein klarer Prompt mit Kontext spart Nachbesserungsrunden. Füge nur den nötigen Teil eines Dokuments ein.
Bilder und Videos gezielt erzeugen: Ein Videoclip kostet ein Vielfaches einer Textantwort.
Optionen nutzen: Wenn dein Tool kleinere Modelle oder eine EU-Region anbietet, wähle sie. Bietet es das nicht, ist das eine Frage an den Anbieter.
Nach Zahlen fragen: Frag deine Anbieter nach Energie- und Wasserwerten, Methode und Datum.
Hier sind meine KI-Aufgaben einer typischen Woche: [Liste]. Sag mir für jede Aufgabe, welche kleinste Modellstufe reicht, ob Reasoning, Agent oder Bild/Video nötig ist, wie ich Input kürzen oder bündeln kann und was ich bewusst mit einem größeren Modell machen sollte. Nenne keine Energie- oder CO2-Zahlen ohne Quelle. Gib mir eine Tabelle und einen Absatz mit meiner Standard-Einstellung.
Häufige Fragen
Ist eine einzelne ChatGPT-Anfrage wirklich schädlich fürs Klima?
Für sich allein kaum: Eine Textanfrage braucht nach Herstellerangaben etwa so viel Energie wie eine Sekunde Backofen oder ein paar Minuten eine LED-Lampe. Relevant wird es durch die Menge und durch rechenintensivere Aufgaben wie Reasoning, Bilder und Video, die deutlich mehr kosten und sich zu den Rechenzentrums-Zahlen oben summieren.
Welcher KI-Anbieter ist am nachhaltigsten?
Das lässt sich aktuell nicht seriös beantworten. Die Unternehmen berichten unterschiedliche Kennzahlen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und nach eigener Methode, unabhängige Vergleichsdaten fehlen weitgehend. Wer es genauer wissen will, sollte beim jeweiligen Anbieter direkt nach Methode, Datum und unabhängiger Prüfung fragen.
Verbraucht KI wirklich so viel Wasser?
Pro Anfrage sind es Bruchteile eines Milliliters. Relevant wird Wasser vor allem lokal, an den Standorten großer Rechenzentren, wo Kühlung mit Trinkwasser in Konkurrenz zur Versorgung der Region stehen kann. Die großen Anbieter nennen deshalb zunehmend Rückführungsquoten statt reiner Verbrauchszahlen.
Sollte ich KI aus Umweltgründen ganz meiden?
Das muss jede für sich entscheiden. Realistischer als vollständiger Verzicht ist oft, KI gezielter einzusetzen: kleinere Modelle für einfache Aufgaben, Reasoning und Video bewusst statt automatisch, und beim Anbieter aktiv nach Transparenz fragen. Die 6 Tipps oben helfen dabei.
Wie geht es weiter?
KI und Nachhaltigkeit ist kein Grund, auf KI zu verzichten, sondern einer, sie bewusster einzusetzen. Je sicherer du im Umgang mit Prompts wirst, desto weniger Nachfragen und Fehlversuche brauchst du, das spart Zeit und Energie gleichermaßen. Hol dir meinen kostenlosen AI Starter Guide für die ersten Schritte, probiere die 100 Power Prompts für den Alltag, oder buche eine Fokussierte 1:1 Session, wenn du gezielt an deinem Workflow arbeiten willst. Wer tiefer einsteigen will, findet im AI Empowered Women Programm die Schritt-für-Schritt-Begleitung dazu.
Quellen
Google, Umweltbericht 2026: Energie- und Wasserverbrauch von Gemini-Anfragen
Sam Altman (OpenAI), „The Gentle Singularity“, Juni 2025: Energie- und Wasserverbrauch pro ChatGPT-Anfrage
IEA: Datenzentrums-Stromverbrauch 2025 und Prognosen bis 2030
TechRadar zu einer MIT-Technology-Review-Studie (23.05.2025): Energieverbrauch von KI-generierten Videos
Sasha Luccioni & Theo Alves Da Costa (Hugging Face, 17.09.2025): Transparenz der Umweltberichte von KI-Anbietern
The Register (10.07.2026): Microsofts Emissionen und Umweltbericht 2026
Anthropic (11.02.2026): Ankündigung zu Netzausbaukosten und Strompreisen